Beste Traditionen am historischen Standort
Seit dem 8. Dezember 2003 ist es endlich wieder komplett: Das traditionsreiche Offizierskasino der Garde du Corps und des Infanterieregimentes 9 strahlt in seinem alten Glanz. Dieses Gebäude wurde 1752 durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entworfen. Ursprünglich als Lazarett genutzt, etablierte sich dort 1820 eine Offiziersspeiseanstalt. Von 1903 an war es das Kasino der Garde du Corps, später zogen die Offiziere des Infanterie-Regimentes 9 ein.
Innerhalb dieser Truppe herrschte ein für die heutige Zeit fast unverständlicher "Esprit de Noblesse", der allerdings als Ausdruck elitären Selbstbewusstseins auch ungewöhnliche Freiräume bis in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts sicherte. Hier versah unter anderem der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker in jungen Jahren seinen Dienst. Erstaunlich viele Offiziere, die in diesem Regiment gedient hatten, beteiligten sich dann am 20. Juli 1944 führend an dem Hitler-Attentat. Insgesamt 18 Offiziere bezahlten ihren Einsatz als Verschwörer gegen Hitler mit dem Leben, unter den Hingerichteten und Verfolgten waren so bekannte Namen wie Henning von Treskow, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Carl-Hans Graf von Hardenberg-Neuhardenberg. Das Andenken an diese Männer wird an dieser Traditionsadresse immer einen ehrenvollen Platz haben.
Nach teilweiser Zerstörung zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde der historische Teil des Gebäudes 2003 umfänglich saniert und gewährt nun einen guten Einblick in die Baukunst des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht in dem Gebäude das Gemälde von Wojciech Kossak "Die Schlacht bei Zorndorf". Die Schlacht bei Zorndorf war eine der großen Schlachten des siebenjährigen Krieges; sie fand am 25. August 1758 statt und jährt sich somit aktuell zum 250. Male. Wojciech Kossak hat dieses Ereignis überragend in Szene gesetzt. Das Kunstwerk war dem Potsdamer Infanterieregiments 9 gewidmet und erlitt im zweiten Weltkrieg umfangreiche Schäden. Jetzt befindet das vollends restaurierte Werk als Dauerleihgabe des Potsdam - Museums wieder im neuem Glanze an historischem Ort. Neben dem weltbekannten Gemälde "Die Schlacht an der Beresina", das die Niederlage Napoleons beim Rückzug aus Russland dokumentiert, ist das bei E.ON edis befindliche Bild eines der großen Meisterwerke des Künstlers.
Ein Charakteristikum der "Schlacht bei Zorndorf" war das eigenständige Handeln des General von Seydlitz. Er verzögerte trotz und entgegen aller Befehle und Drohungen seitens König Friedrich II. sein Eingreifen in die Schlacht bis auf den letzten möglichen – und bestmöglichen – Zeitpunkt. Nun war es die Garde du Corps aus Potsdam, die den entscheidenden Angriff mittrug. Der Moment dieses Angriffs, den dann Friedrich II. selbst anführte, wird in dem Gemälde aufgegriffen. Letztlich soll der Betrachter an den Erfolg couragierten Handelns – auch gegen die Weisungen der Obrigkeit – erinnert werden. Es mag sein, dass das damit in das Regiment hineingetragene Bewusstsein für ein eigenverantwortliches Denken und Handeln nach eigenem Gewissen ausschlaggebend war für das von Mut und Zivilcourage geprägte Eintreten späterer Generationen von Soldaten dieses Regimentes gegen Diktatur und Morden in Deutschland und Europa.