Unsere drei Regionen waren überwiegend agrarisch geprägt. Auf dem flachen Land herrschte die Gutswirtschaft vor. Bauernhöfe und -siedlungen waren in der Minderzahl. Nennenswerte Industriedörfer gab es nur im Umland der Großstädte Berlin und Stettin. Fortschritte in der Wechselstromtechnik, vor allem aber die Bedürfnisse vieler Gutsbesitzer und einer Reihe von Energieversorgungs- bzw. Elektrounternehmen, ließen um 1900 die Elektrifizierung des flachen Landes auf die Tagesordnung treten. Es begann im Großraum Berlin. Hier hatten die Berliner Elektrizitätswerke schon in den späten 1880er Jahren ihr Interessengebiet auf Teile der Kreise Niederbarnim und Teltow ausgedehnt. Einige städtische Elektrizitätswerke wie Potsdam (ab 1906) begannen später ebenfalls Landgemeinden an ihr Netz anzuschließen.

Die erste "Überlandzentrale" (ÜZ) entstand dagegen in Jarmen (Vorpommern). Sie nahm am 1. Oktober 1902 offiziell ihren Betrieb auf. Urheber waren verschiedene Gutsbesitzer. Angespornt durch die beiden größten deutschen Elektro-Unternehmen – A.E.G. und Siemens – ging in Brandenburg und vor allem in Pommern die Initiative zur Elektrifizierung des ländlichen Raums zunehmend auf die Landkreise über. So initiierte Siemens 1911/12 die Brandenburgischen Kreis-Elektricitätswerke, die im Westen der Provinz fünf Kreise mit Strom versorgten, und die Pommerschen Überlandzentralen. Mit erheblicher Kapitalbeteiligung der Kreise wurden hier im Herbst 1911 u. a. die ÜZ Stralsund und die ÜZ Stettin gegründet.


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In Mecklenburg dagegen waren Interessensgruppen der Gutsbesitzer die Motoren der Entwicklung. Hinter ihnen standen ebenfalls zumeist die beiden o. g. Firmen. So waren die ÜZ Neubrandenburg (1909) und die Grevesmühlener Elektrizitäts-Genossenschaft (1911) Siemens-Initiativen. Die A.E.G. wurde einerseits in Mecklenburg-Schwerin aktiv. Hier hatte man 1913 die Rostocker Stromversorgung gepachtet. Dazu zählte auch die 1911 in Betrieb genommene ÜZ Rostock-Bramow, die bald die gesamte östliche Landeshälfte versorgen sollte. Andererseits gründete die A.E.G. 1909 das Märkische Elektricitätswerk (MEW), das in kurzer Zeit zum herausragenden Energieversorgungsunternehmen im heutigen E.ON edis-Netzgebiet werden sollte. Ein zweites A.E.G.-Unternehmen, das große Bedeutung erlangte, war die 1897 gegründete Elektricitäts-Lieferungs-Gesellschaft.

Eine weitere Siemens-Gründung – die Siemens Elektrischen Betriebe (1899/1900; später: Nordwestdeutsche Kraftwerke AG) – lieferte Energie nach Mecklenburg (Nordwestmecklenburg-Wismar). Im Großraum Berlin entwickelte außerdem die Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft (D.C.G.G.) Aktivitäten und in Mecklenburg-Strelitz die Thüringer Gasgesellschaft (THÜGA).

Anzumerken ist noch, dass sich jetzt viele kleinere Städte durch den Anschluss an eine dieser Überlandzentralen elektrifizierten. Außerdem ging eine Reihe bereits existierender städtischer E-Werke auf den günstigeren Fremdstrombezug von Überlandzentralen über.